Welche Dokumente sollten Sie im Papieroriginal behalten?

Auf papierlos umzusteigen, ist eine gute Idee. Vollständig papierlos zu werden, ist es nicht. Ein Teil der Dokumente ist rechtlich, praktisch oder emotional besser in physischer Form aufgehoben. Hier die kurze Liste.

Die meisten Dokumente lassen sich bedenkenlos digitalisieren, ein konkreter kleiner Bestand sollte aber auf Papier bleiben: Personenstandsurkunden mit Siegel, Originale von Testamenten und Erbverträgen, Eigentumsdokumente, notarielle Beurkundungen und bestimmte gerichtliche Beschlüsse. Alles andere — Steuerbelege, Kontoauszüge, Energierechnungen, ärztliche Bescheinigungen — können Sie sicher scannen und schreddern. Der Grund, warum manche Dokumente weiterhin ein Papieroriginal benötigen: Das Gesetz verlangt es, das notarielle Siegel ist schwer zu reproduzieren, oder die Wiederbeschaffung ist im Bedarfsfall richtig aufwendig.

Das ist unsere Arbeitsliste — orientiert daran, wie das deutsche Recht und die meisten europäischen Rechtsordnungen 2026 mit diesen Dokumenten umgehen. Konkrete Regeln variieren je nach Bundesland und Dokumenttyp — im Zweifel den Notar oder Rechtsanwalt fragen. Wenn Sie aber Papierkopien von allem aus dieser Liste behalten und beim Rest vollständig digital arbeiten, decken Sie 95 % der Situationen ab.

Papier behalten: Dokumente, die das Original wirklich brauchen

Personenstandsurkunden mit Siegel

Geburtsurkunde, Heiratsurkunde, Lebenspartnerschaftsurkunde, Sterbeurkunde, Scheidungsurteil, Adoptionsurkunde. Sie werden vom Standesamt mit Siegel auf besonderem Papier ausgestellt. Behörden und ein Teil der privaten Einrichtungen akzeptieren nur das Original oder eine beglaubigte Kopie — ein gewöhnlicher Scan deckt das nicht ab. Eine Neuausstellung beim Standesamt ist möglich, doch es ist einfacher, das vorhandene Exemplar zu behalten.

Scannen Sie eine digitale Kopie für Ihre eigenen Unterlagen — ScanLens nimmt sie in hoher Auflösung als Referenz auf — und bewahren Sie das Original in einem feuersicheren Tresor oder Bankschließfach auf.

Personalausweis, Reisepass, Aufenthaltstitel

Den physischen Personalausweis und Reisepass ersetzt offensichtlich kein Scan. Doch manche werfen Aufenthaltstitel, Visa und Einbürgerungsurkunden in die Kategorie «scannen und schreddern». Das wäre ein Fehler. Aufenthaltstitel und Einbürgerungsurkunden sind besonders aufwendig wiederzubeschaffen — Monate Bearbeitungszeit, Gebühren. Scans sind im Verlustfall hilfreich (für Ersatzanträge), die Rechtswirkung hat aber das physische Dokument.

Sozialversicherungsausweis, Steuer-ID, Wehrdienstunterlagen

Sozialversicherungsausweis, Steueridentifikationsnummer (Bescheinigung), Mitgliedsbescheinigung der Krankenkasse — physische Dokumente, die regelmäßig dem Arbeitgeber, der Bank oder Behörden vorzulegen sind. Vieles lässt sich heute digital nachweisen, das physische Dokument wird aber weiter verlangt und geht seltener verloren, wenn es zentral mit anderen wichtigen Unterlagen liegt.

Testamente, Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen

Die wichtigste Kategorie. Ein Testament wirkt grundsätzlich nur in der eigenhändig errichteten oder notariell beurkundeten Originalform (§§2247, 2232 BGB). Im Erbfall verlangt das Nachlassgericht das Original. Ist die einzige Kopie Ihres Testaments ein Scan und das Original verloren oder vernichtet, kann der Nachlass so verteilt werden, als gäbe es kein Testament — was sich selten mit den eigentlichen Wünschen deckt.

Bewahren Sie das Originaltestament an einem sicheren Ort auf, zu dem der Testamentsvollstrecker Zugang hat. Ein feuersicherer Tresor zu Hause genügt. Die amtliche Verwahrung beim Nachlassgericht (Gebühr im niedrigen dreistelligen Bereich) ist die rechtssicherste Lösung — das Testament wird im Zentralen Testamentsregister erfasst und nach dem Tod automatisch eröffnet. Bei Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung ist die Eintragung im Zentralen Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer empfehlenswert.

Ist die einzige Kopie Ihres Testaments ein Scan und das Original verloren, kann der Nachlass so verteilt werden, als gäbe es kein Testament.

Eigentumsdokumente

Notarielle Kaufverträge über Immobilien, Grundbuchauszüge, Zulassungsbescheinigung Teil II (Fahrzeugbrief), Erbbaurechtsverträge. Auch wenn das Grundbuch elektronisch geführt wird, ist das physische, notariell beurkundete Original für Transaktionen meist unerlässlich. Verkauf, Eigentumsübertragung, Eigentumsnachweis — all das funktioniert mit dem physischen Original deutlich einfacher.

Praktisches Vorgehen: zur Referenz scannen, Originale am selben sicheren Ort aufbewahren wie die übrigen wichtigen Unterlagen.

Notarielle Beurkundungen

Jedes Dokument, das ein Notar beurkundet hat — auf dem Notarsiegel und Unterschrift Ihre Identität bestätigen — gehört im Original aufbewahrt. Scans notarieller Urkunden verlieren das physische Siegel, in dem der eigentliche Beweiswert liegt. Typische Beispiele: notarielle Vollmachten, Schenkungsverträge, gesellschaftsrechtliche Beschlüsse, Erbverträge.

Online-Beurkundungen über die Bundesnotarkammer (z. B. bei GmbH-Gründungen seit 2022) sind auf dem Vormarsch. Hier erhalten Sie eine elektronisch signierte Beurkundung — ein anderer Anwendungsfall, kein Scan einer Präsenzbeurkundung.

Gerichtliche Beschlüsse und Urteile

Wenn ein Gericht einen Sie betreffenden Beschluss erlässt — Scheidungsurteil, Sorgerechtsentscheidung, einstweilige Verfügung, Zivilurteil —, ist die Ausfertigung mit Gerichtssiegel die maßgebliche Fassung. Eine beglaubigte Kopie können Sie bei der Geschäftsstelle anfordern, doch die Ausfertigung in Ihrem Ordner wird oft kurzfristig benötigt — etwa wenn das Sorgerecht einer Schule oder dem Vermieter vorzulegen ist.

Bestimmte Versicherungsdokumente

Den Großteil der Versicherungspost können Sie digital halten. Ausnahme: das Originaldokument der Lebensversicherungspolice — manche Versicherer verlangen für bestimmte Auszahlungen weiterhin das physische Original mit Anhängen. Mit der Digitalisierung wird das seltener, doch wenn Ihre Police mehrere Jahre alt ist, behalten Sie die Papierkopie, bis der Versicherer das Gegenteil bestätigt.

Zeugnisse und Diplome mit Siegel

Schulabschlusszeugnisse, Hochschulzeugnisse, Diplome, Meisterbriefe, Berufsausbildungszeugnisse mit Siegel — gehören in die Kategorie «Papier behalten». Hochschulen stellen Zeugnisse oft nur einmal aus, und die Wiederbeschaffung ist mühsam. Scannen Sie für den schnellen Bewerbungsvorgang, das Original bleibt im Aktenordner.

Digital ist okay: Dokumente, die Sie sicher scannen und schreddern können

Zur Einordnung — Kategorien, die die meisten Menschen ohne Bedenken scannen können. Verwenden Sie für jede einen Scanner wie ScanLens für eine saubere Kopie mit OCR, bewahren Sie die digitale Version an einem sicheren, gesicherten Ort auf (siehe unseren Beitrag zur Organisation digitaler Dokumente) und schreddern Sie das Papier, nachdem Sie die Vollständigkeit und Lesbarkeit des Scans geprüft haben.

Kontoauszüge und Finanzunterlagen

Kontoauszüge, Kreditkartenabrechnungen, Depotauszüge, Versicherungs- und Renteninformationen. Die meisten Banken bieten ohnehin PDF-Auszüge an. Wenn Sie noch Papier bekommen, scannen und auf vollelektronischen Versand umstellen. Für rechtliche oder steuerliche Zwecke ist die Papierform nicht erforderlich.

Energie- und Telefonrechnungen

Strom, Wasser, Gas, Internet, Telefon. Scannen Sie für Ihre Historie, wenn gewünscht. Bewahren Sie die digitale Version einige Jahre auf. Das Papier hat nach Bezahlung keine Funktion mehr.

Lohn- und Gehaltsabrechnungen, Personalunterlagen

Gehaltsabrechnungen, Arbeitsverträge in Kopie, Bescheinigungen über das Bruttoeinkommen — alles geeignet zur Digitalisierung. Ausnahme: der unterzeichnete Arbeitsvertrag selbst, wenn er Wettbewerbsverbote, Bonusvereinbarungen oder ähnliche bindende Regelungen enthält. Diese unterzeichneten Originale gehören aufbewahrt. Auch die Kündigung nach §623 BGB verlangt die Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift — das Original gehört in den Aktenordner.

Steuererklärungen und Belege

Ja, auch das. ELSTER und elektronische Belegführung machen die Papierform für die meisten Szenarien überflüssig. Steuererklärungen, Belege, Bescheinigungen, Lohnsteuerbescheinigungen und Nachweise scannen, im gesicherten digitalen Archiv 6 bzw. 10 Jahre aufbewahren (je nach §147 AO bzw. §257 HGB) — damit erfüllen Sie die Aufbewahrungsanforderungen.

Quittungen (fast alle)

Thermopapier-Kassenbons verblassen in Monaten zur Unleserlichkeit. Frühes Scannen ist tatsächlich sicherer als das Aufbewahren des Papiers. Ausnahme: konkrete Quittungen, die an eine Garantie geknüpft sind, bei der der Händler den Originalkassenbon für die Rückgabe verlangt — die meisten Händler akzeptieren 2026 aber digitale Quittungen für Rückgaben und Garantiefälle.

Garantien und Bedienungsanleitungen

Bedienungsanleitungen finden sich fast immer auf der Herstellerwebsite. Garantieurkunden lassen sich scannen. Im Garantiefall ist meist der Kaufnachweis erforderlich, und ein gescannter Beleg genügt in der Regel — bei besonders wertvollen Anschaffungen die Garantiebedingungen prüfen.

Ärztliche Bescheinigungen und Rechnungen

Bedenkenlos scannen. Ihre Praxis und Krankenkasse führen ohnehin elektronische Akten (elektronische Patientenakte ePA), Ihre Kopien dienen der eigenen Übersicht. Ausnahme: Dokumente, die Sie in akuten Situationen anderen Ärzten kurzfristig übergeben müssen — die gehören sowohl physisch als auch in einer passwortgeschützten Ablage digital griffbereit.

Schulische und universitäre Unterlagen

Abiturzeugnisse und Diplome mit Siegel gehören wie oben erwähnt in die Kategorie «Papier behalten». Gewöhnliche Halbjahreszeugnisse und Notenübersichten können vollständig digital bleiben; die meisten Hochschulen stellen elektronische Bescheinigungen auf Anfrage aus.

Korrespondenz und persönliche Briefe

Eher eine sentimentale als juristische Kategorie. Manche Briefe sind unersetzliche Familiengeschichte. Ein Brief der Großmutter auf Papier hat einen Wert, den ein Scan nicht hat. Das ist eine persönliche Entscheidung. Wir würden trotzdem zur Sicherung scannen und die emotional wichtigen physischen Originale behalten.

Kategorie «scannen und beides behalten»

Für Dokumente, die wichtig sind, auf die Sie aber selten zugreifen, ist der beste Ansatz, zu scannen und das Original zu behalten. Das bringt:

  • Eine durchsuchbare digitale Kopie für den schnellen Zugriff
  • Das physische Original für Rechtswirkung, sentimentalen Wert oder Backup
  • Schutz vor Brand, Wasser oder physischem Verlust — durch die digitale Kopie
  • Schutz vor Dateibeschädigung, vergessenen Passwörtern oder Dienstausfall — durch die physische Kopie

Fast alles aus der Liste «Papier behalten» fällt hierunter. Sie scannen mit ScanLens für die durchsuchbare eigene Referenz und behalten das physische Original im feuersicheren Tresor, im Bankschließfach oder in einem dedizierten Ordner «Wichtige Dokumente».

Wo Papieroriginale aufbewahren

Die praktische Frage — wohin mit den physischen Originalen — ist wichtiger als der Behälter selbst.

Feuersicherer Tresor zu Hause

Ein kleiner feuersicherer Tresor mit mindestens 30 Minuten bei 850 °C (DIN 4102, Klasse S60P oder höher) genügt den meisten Haushalten. Schutz vor Wohnungsbränden, vor den meisten Einbrüchen (ein hartnäckiger Einbrecher trägt einen kleinen Tresor weg, die meisten nicht) und vor Wasser. Nachteil: Brände, die das Rating überschreiten, oder Überschwemmungen, die den Tresor vollständig fluten, können den Inhalt zerstören. Genau dafür gibt es das digitale Backup.

Bankschließfach

Bankschließfächer sind brandfest und sicher. Nachteil — Zugang: Im Erbfall werden Schließfächer ohne Erbschein häufig nicht freigegeben. Verwahren Sie ein Testament nicht im Bankschließfach, wenn das die einzige Kopie ist. Besser zu Hause, beim Notar oder in der amtlichen Verwahrung beim Nachlassgericht, zu der der Testamentsvollstrecker ohne Verzögerung Zugang erhält.

Bei einem vertrauenswürdigen Profi

Ein Notar verwahrt Testamente und beurkundete Dokumente. Ein Steuerberater kann bestimmte steuerliche Originale aufbewahren. Das erhöht die Beständigkeit, schafft aber Abhängigkeit von der Praxis dieser Person. Geeignet als Teil einer mehrschichtigen Strategie, ungeeignet als einziger Single Point of Failure.

Unsere eigene Regel

Unsere Regel

Alles scannen. Schreddern, was sich schreddern lässt. Den Rest in den feuersicheren Tresor. Wenn Sie morgen sterben, sollte Ihre Familie jedes benötigte Dokument in zehn Minuten finden — physisches Original und digitales Archiv.

Das ist der Test. Wenn die Person, die Ihren Tresor und Ihren Cloud-Ordner öffnet, einen Todesfall, einen schweren Krankenhausaufenthalt oder einen Wohnungsbrand bewältigen kann, ist Ihr Dokumentensystem in Ordnung. Muss sie sich durch Stapel arbeiten oder raten, wo etwas liegt — nicht, selbst wenn alles digital wäre.

Verwandte Themen